Mittwoch, 2. Februar 2011

Kommunikation

Das Regierungspressebüro hat einen neuen Direktor, und mit dem neuen Direktor soll sich auch an den Abläufen einiges ändern. Deshalb, so hat man uns Ende des vergangenen Jahres mitgeteilt, gelten die Pressekarten von 2010 über den Jahreswechsel hinau. Neue Karten würden voraussichtlich im März ausgestellt. Das sei aber insofern kein Problem, als dass alle Stellen darüber informiert seien.
Die jungen Sicherheitskräfte, die für den Besuch von Angela Merkel und Co. das King David Hotel grossräumig abriegelten, gehörten ganz offensichtlich nicht zu diesen Stellen. Die Pressekarte sei abgelaufen, hiess die klare Antwort auf meinen Versuch, die Sicherheitsabsperrung für das Pressegespräch zu passieren. Keine Diskussion. Erst nach zehn Minuten durfte ich dann doch passieren. Offenbar darf man auch bei Medienprofis nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass die Kommunikation reibungslos klappt...


Hiking Palestine


"Es tut gut, mal in Jerusalem zu sein", sagt die Gruppe aus Tel Aviv. "Eigentlich fahren wir ganz gern mal am Wochenende nach Tel Aviv", kontern die Jerusalemer. Jeden Samstag trifft sich die kleine Gruppe von sogenannten "Expats" (Expatriates) – "Internationals" aus Botschaften, ausländische Journalisten, NGOler, um Palästina zu erwandern. Mal durch die Wüste, mal durch ein Wadi oder auch in die Berge. 

Und obwohl über kurz oder lang bei jeder Wanderung das Gespräch irgendwann beim Thema Israel-Palästina landet – kaum verwunderlich bei dieser Mischung –, sind irgendwie alle froh um diese kleinen Fluchten, sei es aus Tel Aviv oder aus Jerusalem, jedenfalls raus aus den alltäglichen Spannungen. Nur bei der Frage der Aufenthaltsdauer spaltet sich die Gruppe in zwei Lager: Jene, die am liebsten immer und ewig hier blieben gegen jene, die ganz froh sind, dass die maximale Visumsdauer fünf Jahre ist…

Dienstag, 1. Februar 2011

Maulkorb

"Seit Wochenfrist schweigt Israels Politik. Staatsbeamte und Regierungsmitglieder sind angehalten, sich jeglicher Kommentierung der Ereignisse in Ägypten zu enthalten. Das Redeverbot ist allein schon darum bemerkenswert, weil die Staatsspitze damit die Deutungshoheit über die jüngsten Umwälzungen beansprucht. Mit dieser Massnahme nähert sich der oft als einzige Demokratie im Nahen Osten bezeichnete jüdische Staat jenen arabischen Ländern an, die eigene Informationsministerien unterhalten. Wer je mit solchen in Kontakt (oder als Journalist gar auf sie angewiesen) war, kann aus Erfahrung sagen: In aller Regel dienen Informationsministerien der Desinformation, im besten Falle staatlicher Propaganda. Ausgerechnet in Israel, wo sonst offizielle Stellen besuchsweise eingereisten Reportern private Handy-Nummern von Ministern weitergeben, gilt nun ein Maulkorb. Da stimmt etwas ganz und gar nicht mehr."
Martin Woker in einem Kommentar über das israelische Schweigen zur Lage in Ägypten (NZZ vom 1. Februar)

Blumen für die Dame

Er habe erfahren, dass die Kanzlerin ein Gartenfan sei, heisst es aus dem Büro von Staatspräsident Schimon Peres. Als besondere Aufmerksamkeit schenkte Peres Angela Merkel deshalb gleich einen ganzen Korb Küchenkräuter und Winterblumen – in Form von kleinen Samentütchen und Zwiebeln. Die kann Merkel nun mit nach Hause nehmen, um im heimischen Garten geduldig auf die ersten Blüten zu warten. Ob sich hinter der Auswahl der Blümchen ein Fingerzeig in Blumensprache versteckt? "Ich fühle mich verlassen" (Anemone), aber "Ich steh zu Dir" (Iris), denn Du bist zwar "ganz schön eitel" (Narzisse), aber irgendwie auch "zauberhaft" (Ranunkel) und "unschuldig süss" (Veilchen). "Ich liebe die schlichte Häuslichkeit" (Petersilie). Letztere galt übrigens im Mittelalter als Hexen- und Geistervertreiber. Und als Aphrodisiakum.

Beredtes Schweigen

Ob Israel den Palästinensern etwas Neues anzubieten habe, fragte ein Journalist Premier Netanjahu mit Blick auf das in der kommenden Woche tagende Nahostquartett. Ein altes hebräisches Sprichwort laute "The wise man will remain silent at that time" – wer klug ist schweigt in dieser Zeit, lautete Netanjahus Antwort. In der Tat ein "altes Sprichwort", nämlich ein Bibelzitat, aus dem Buch des Propheten Amos genauer genommen. Vor nicht einmal einem Jahr wurde Netanjahus Sohn Avner zum "Bibel-Champion" Israels gekürt – gegen 12.000 Mitstreiter konnte sich der damals 15-Jährige mit seinem Wissen behaupten. Liegt da die Vermutung fern, dass Vater Benjamin sich durchaus dessen bewusst ist, woher dieses "alte Sprichwort" stammt? Und wie der Halbvers weitergeht: "Denn es ist eine böse Zeit."