Dienstag, 8. Februar 2011

Dann schmieden sie Pflugscharen


Nach fast zweiwöchigem Dauerregen der erste richtig sonnige Tag. Das Ziel des wöchentlichen Wanderausflugs: Sebastiya. Zum blauen Himmel und der Sonne kommt eine angenehm frische Brise, dass man sich fast am Meer wähnen könnte. "Es ist wunderbar, hier draussen in der Natur zu sein", sagt eine, was wohl viele denken. Die zweite Hälfte ihres Satzes geht unter in ohrenbetäubendem Lärm. Zwei Kampfjets der israelischen Armee jagen über uns vorbei. Zwei Minuten Stille, dann kommt die nächste Runde, dann eine dritte und vierte. Dann ist es wieder still und es geht weiter durch uralte Olivenhaine und römische Ruinen. Kurz bevor die Sonne untergeht, als wir wieder in Sebastiya ankommen, donnern die Kampfjets wieder über unsre Köpfe, tiefer diesmal als beim ersten Mal und also lauter. Ein Palästinenser am Wegrand zuckt bloss mit den Schultern, als wir uns die Ohren zuhalten. C'est la vie. Eine Gruppe Jungs spielt auf dem Platz Fussball und lässt sich nicht beeindrucken. Der Kontrast zwischen den spielenden Kindern und dem Geschehen knapp 30 Meter über ihren Köpfen ist im wahrsten Sinne des Wortes laut. Und irgendwie surreal-bedrohlich.

Montag, 7. Februar 2011

Another rainy day





Revolutionsangst

In Israel und Palästina ist es ruhig. Aber nicht nur Israel fürchtet sich vor dem Umbruch in Ägypten. Auch die Fatah in der Westbank und die Hamas im Gazastreifen haben offenbar Angst, dass der Funke auf die Palästinenser überspringt. In Jerusalem verstärkt die Polizei die Sicherheitsvorkehrung aus Angst vor "Nachahmern", die Fatah-Sicherheitskräfte beäugen Solidaritätskundgebungen in Ramallah ganz genau, und im Gazastreifen wurden Demonstrationen gewaltsam aufgelöst. Die Motive mögen sehr unterschiedlich sein, aber in der Angst vor der ägyptischen Revolution scheinen die Konfliktparteien hier seltsam geeint.

Sonntag, 6. Februar 2011

Andre Länder ...

Eigentlich will ich "nur schnell" auf dem Weg ein paar Dosen Katzenfutter auf dem Mahane Yehuda kaufen, bevor die Dienstbesprechung beginnt. Eigentlich. Dass das mit dem "nur mal eben schnell" in diesem Land Wunschdenken ist, hätte mir nach einem knappen halben Jahr Erfahrung eigentlich klar sein müssen. Während ich meine sechs Dosen Katzenfutter in den Händen balanciere, drängen sich vier bis fünf weitere Kunden durch den knapp zehn Quadratmeter grossen Laden. Zwei sind Freunde des Verkäufers, der sich, während er Smalltalk mit ihnen betreibt, eine Zigarette ansteckt, mit einer weiteren Person telefoniert, seine Aushilfe mit wilden Gesten rumkommandiert, einem Kunden Auskunft gibt und bei einer weiteren Kundin abkassiert. Zwischendurch grinst er mich freundlich an, zeigt mir, warum auch immer, seinen Führerschein, auf dessen Foto er noch bedeutend jünger aussieht, erbarmt sich schliesslich meiner und stopft das Futter in eine Plastiktüte (Der eigens zu diesem Zweck mitgeführte Rucksack auf meinem Rücken bleibt gezwungener Massen leer). Bis ich auch den zweiten Teil des Handels – das Bezahlen – hinter mir habe, vergehen gefühlt weitere zehn Minuten. Dann grinst er mich noch freundlicher an und streckt mir einen halbvollen Becher Wodka entgegen. Ich weiss nicht, wessen Entsetzen grösser war: Meines ob des Angebots oder seines ob meiner Ablehnung. "Why? It's already half past ten!" Morgens, versteht sich.

Samstag, 5. Februar 2011