Samstag, 16. August 2014

Warsaw Ghetto

"Personally, I’m in favour of Gaza getting all those things. But Netanyahu could have offered them to Palestinian Authority President Mahmoud Abbas during the Kerry talks, or to the Fatah-Hamas unity government that Abbas forged, and the Palestinian benefactor would have been the non-violent, moderate PA instead of the violent, immoderate Hamas. Oh, one other thing: There wouldn’t have been a war that killed 2,000 people, made much of Gaza look like the Warsaw Ghetto."
Journalist Larry Derfner äussert im Beitrag "In ceasefire talks, Netanyahu is letting Hamas win Gaza war" für "+972" (15. August) sein Unverständnis über das Vorgehen Netanjahus, dessen Zugeständnisse wie Grenzöffnung, Wareneinfuhr und Ausweitung der Fischereizone von der Hamas als Sieg beansprucht würden.

Donnerstag, 14. August 2014

Frei Haus

"Der Antisemitismus-Vorwurf funktioniert wie ein Bewegungsmelder. Jemand muss nur ein paar Reizwörter kombinieren, schon bekommt er ihn frei Haus geliefert. Geht es eigentlich überhaupt noch um Israel? Oder geht es vielmehr darum, das böse alte Lieblingstier der Deutschen an der Kette durch den Argumentationspark zu führen: eben jenen Antisemitismus, von dem ein Grossteil der Publizisten, die derzeit das Vorgehen Israels verteidigen, mit der gewohnten Küchenpsychologie annimmt, dass er in jedem Deutschen schlummert und nur Anlässe wie den gegenwärtigen braucht, um sich loszureissen und auffällig zu werden?"
Redaktor Hilmar Klute kritisiert in der "Süddeutschen Zeitung" (13. August), dass israelische Kritiker des Gaza-Kriegs keine Unterstützung erfahren. In Deutschland suche man lieber nach einfachen Wahrheiten, statt sich mit jenem Israel solidarisch zu zeigen, "das gewissermaßen aus der zweiten Reihe an die Vernunft appelliert".

Der Fussball

Samstag, 9. August 2014

Der Fussball

Bei mir in der Küche liegt ein Fussball. Gelb, aus Plastik, in einer der typischen schwarzen Plastiktüten, wie sie, achtlos weggeworfen, zu Tausenden das Land verschandeln. Keine besondere Qualität, einfach ein Fussball, wie er wohl von hunderten Kindern auf staubigen Strassen und Feldern gebolzt wird. Doch an diesem Fussball hängt ein Versprechen. Mein Versprechen. Ich werde ihn nach Gaza bringen, am Sonntag oder am Montag, habe ich zu dem Priester gesagt, der mir den Ball und einen Umschlag in die Hände gedrückt hat. Das war während der dreitägigen Waffenruhe, in der Illusion, die momentane Feuerpause werde natürlich verlängert werden, das seit vier Wochen andauernde sinnlose Blutvergiessen werde natürlich ein vorläufiges Ende finden. Bevor in zwei, vielleicht drei, bestenfalls vier Jahren die nächste Runde der Gewalt das in der Atempause Wiederaufgebaute einmal mehr dem Erdboden gleich macht. Ein Versprechen brechen zu müssen, in einer Situation wie der gegenwärtigen in Gaza nach Wiederaufnahme der Kämpfe, ist, gelinde gesagt, ein Luxusproblem. Aber an dem Fussball und meinem Versprechen hing auch meine Hoffnung. Dass die kleinen Adressaten des hässlichen gelben Plastikballs ihn – über Geröllhaufen vielleicht, aber doch wenigsten ohne die Angst vor erneutem Beschuss – wie hunderte andere Kinder auf staubigen Strassen und Feldern bolzen können.

Freitag, 8. August 2014

born in gaza


Es fällt mir schwer, die Intimität der Szene mit meiner Kamera zu durchbrechen. Es fällt mir schwer, das kleine Wesen in seinem Bettchen auf der Intensivstation anzuschauen mit dem Wissen, dass die Ärzte ihm eigentlich kaum eine Überlebenschance einräumen. Für das Leid des winzigen Etwas kann niemand etwas, es ist mit einer schweren Fehlbildung geboren. Der Lauf der Natur, versuche ich mir zu sagen, während ich gegen meine Tränen kämpfe. Ebenfalls mit Tränen in den Augen schaut mich der Opa des Babys an. Ob ich ihm vielleicht eines der Fotos geben könnte, fragt er mit brüchiger Stimme. Und mir geht ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf. In was für einer Welt leben wir eigentlich, in der möglicherweise das einzige, was einer Mutter bleibt, das Foto ist, was eine Journalistin von ihrem Neugeborenen gemacht hat. Weil sie zufälligerweise in einem Krisengebiet geboren wurde, hinter Mauern und Checkpoints, die ihr die Wache am Bett ihres todkranken Kindes verwehren.