Montag, 7. März 2011

Kleiderordnung

Der Trend ist eindeutig: Mindestens drei Viertel der palästinensischen Musliminnen trägt Kopftuch.Vor 10-15 Jahren, glaubt man jenen, die schon länger im Land sind, war es genau umgekehrt.  Für viele - vor allem jüngere - Frauen scheint das Kopftuch dabei ungeachtet der religiösen Bedeutung durch aus auch ein modisches Accessoire zu sein - perfekt abgestimmt auf Kleidung und Make-up. Das wiederum ist den konservativeren Kräften ein Dorn im Auge. Kopftuch allein reicht nicht, sagt ihre Plakatkampagne in den arabischen Bussen.  Offenbar soll das Kopftuch (und der Rest der Kleidung) vor allem eines nicht: Aufmerksamkeit erzielen...

Samstag, 5. März 2011

Botschaft cash

Money makes the world go round. Und wenn es nach der Idee einer palästinensischen Jugendgruppe geht, kann es auch die Welt verändern. Sie gründete eine Facebook-Gruppe "Let's end the occupation", die nun Palästinenser aufruft, Israel und seiner Regierung via Geldscheinen eine Botschaft zukommen zu lassen. "Free Palestine" soll auf die Schekelscheine geschrieben werden, die früher oder später mit ihrer Botschaft wieder in israelischen Händen landen. Zumindest bei den palästinensischen Banken haben sich die Jugendlichen vorher versichert, dass die beschrifteten Geldscheine auch weiter angenommen werden. Die Idee vom "Mehrwert-Geld "zieht derweil Kreise - und könnte auch auf Dollar, Jordanische Dinar und Euro ausgeweitet werden.
Bild: PNN

Donnerstag, 3. März 2011

Pro contra pro

Eine Initiative des israelischen Bildungsministers gibt zu Reden. Der Besuch der "Erzväterstadt Hebron" gehört neu zum Pflichtprogramm von Schulklassen. Im Aussenministerium kam die Idee gut an – und wurde sogleich auf alle neu ernannten Diplomaten und Auszubildenden ausgeweitet. "Ich denke, dass es richtig ist, so zu handeln, dass klar wird, dass das Grab der jüdischen Patriarchen unter israelischer Souveränität ist und bleiben wird", kommentierte Vize-Aussenminister Dany Ayalon den Entscheid. Und für Bildungsminister Gedeon Saar ist klar: "Es ist an der Zeit, dass wir damit aufhören, uns selbst und andere darüber zu belügen, dass Israel jemals die Souveränität über seinen Heiligtümer abgeben würde."

Die Reaktionen darauf sind sehr unterschiedlich. Während ein Teil der Gesellschaft es zynisch findet, Schulkinder in die Höhle des Löwen zu schicken und vom Minister verlangt, er solle doch selbst erstmal nach Hebron fahren, findet der Vorschlag in anderen Gruppen Anklang – durchaus aus sehr unterschiedlichen Gründen. So findet die Zeitung "Yediot Aharonot", dass es keinen bessren Ort gebe als Hebron, um den Kindern den "Wahnsinn der Siedlerbewegung" vor Augen zu führen: "They should race there on segregated highways in armored buses, see the closed Arab market ...visit the Tomb of the Patriarchs and hear about the Baruch Goldstein massacre. On the way they should be exposed to the fact that Yitzhak and Ishmael were both sons of the patriarch Abraham. I'm not sure how many of them are aware of that these days."
Auch Moshe Arens befürwortet den Vorschlag in seinem Kommentar in "Haaretz". Die Gegner der Initiative, kritisiert er, seien unter den Bann der "1967er Grenzen" geraten: Nur westlich davon sei koscher. Diese "Waffenstillstandslinie" lasse aber nun mal das biblische Herzland des alten Israel östlich der Linie. Die Kritiker, so Arens, "seem to have forgotten the very foundation of Zionism: that the Jewish State is located in the Land of Israel just because it is the ancient homeland of the Jewish people, and that the Temple Mount in Jerusalem, the Tomb of the Patriarchs in Hebron and Rachel's Tomb in Bethlehem are the icons of the Jewish connection to the Land of Israel - constant reminders to one and all that the Land of Israel is the ancient homeland of the Jewish people, who have returned after 2,000 years in exile".

Dienstag, 1. März 2011

Zwei Welten

Am Kneipentisch geht heiss her. Die Runde – zwei israelische Juden, zwei vom Christentum zum Judentum konvertierte europäische Wahlisraelis und zwei europäische Christen – diskutiert das Verhältnis der Israelis zu Deutschland, den richtigen Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust und die zahlreichen Probleme dieses Landes. Es sei unglaublich, meint die junge Israelin, dass es immer noch arabische Israelis gebe, die nicht vernünftig Hebräisch sprechen. Es gebe umgekehrt wesentlich mehr jüdische Israelis, die kein einziges Wort Arabisch sprechen, die meisten Araber hingegen können sich zumindest auf Hebräisch verständlich machen, kontere ich. In Deutschland würden wir auch nicht Türkisch lernen, weil Türken die grösste Minderheit im Lande seien, ihr promptes Gegenargument – es könne ja nicht angehen, dass eine 20-Prozent-Minderheit den restlichen 80 Prozent den Ton diktiere.
Immerhin sei Israel die einzige Demokratie der ganzen Region, kommentiert einer der beiden Konvertiten. Die Sachlage in Deutschland ist anders, halte ich dagegen, denn wir haben viele Türken als Gastarbeiter selber ins Land geholt. Die Araber hingegen sind ursprünglicher Teil der hiesigen Gesellschaft. Und ob Israel eine Demokratie sei oder vielmehr gerade daran, diese stückweise zu zerstören, darüber liesse sich streiten. Schliesslich sei es mehr und mehr die relativ kleine Minderheit der Ultraorthodoxen, die in dieser sogenannten Demokratie der grossen mehr oder weniger säkularen Mehrheit ihren Lebensstil aufzwingt. Das, so meinen meine jüdischen Gesprächspartner einhellig, liege an den gemeinsamen jüdischen Wurzeln: Wie säkular ein Jude auch sein mag, er bleibt Jude. Und als solcher den religiös verwurzelten Gesetzen irgendwie verpflichtet.
Das hitzige Gespräch zieht sich bis in die frühen Morgenstunden weiter. Als Jude, sagen meine Mitstreiter, fühlt man sich eben nirgendwo sonst zuhause und hat nur Israel. Und das ist permanent gefährdet durch die arabischen Nachbarn. Gerade diese Selbstdefinition, die das "Jüdisch-Sein" über alle anderen Merkmale wie Nationalität oder Zugehörigkeit zu Kultur stellt, in permanenter Abgrenzung zur vermeintlichen oder realen Gefährdung von Aussen, ist für mich so schwer nachzuvollziehen und bereitet mir grösstes Unbehagen. Aber immerhin gut, wenn man das bis ein Uhr Nachts bei einer guten Flasche Wein diskutieren kann…

Vorsicht vor der "jüdischen Bruderschaft"

"Jews and Arabs still get along in Haifa. But if the ultra-Orthodox are taking over the city, the good relations between Jews and Arabs may also be at risk. Instead of worrying about the Muslim Brotherhood in the Arab states, we should start fearing the Jewish Brotherhood that is about to take over, and start acting accordingly."
Neri Livneh in einem Kommentar zum demograpischen Wandel in Israel (Haaretz vom 1. März)