In Ägypten geht eine Ära zu Ende. In Israel ist während eines ganzen Tages kein offizieller Kommentar dazu zu erhalten. Schliesslich ist Schabbat.
Samstag, 12. Februar 2011
Donnerstag, 10. Februar 2011
Rote Linie
Die wachsende Zahl von Haredim, ultraorthodoxen Juden, stelle Israel vor grosse Herausforderungen, hiess es dieser Tage in einem Beitrag der Internetzeitung "Ynet News". Rund ein Drittel aller im vergangenen Jahr geborenen Kinder stamme aus ultraorthodox-jüdischen Familien.
Erste Auswirkungen sind in Jerusalem schon längst zu spüren. Zum Beispiel sollte Anfang März ein Musikfestival stattfinden, bei dem israelische Künstler in verschiedenen Kirchen und Konzerten musizieren. Abgesagt. Auf Druck der Haredim, heisst es. Weil Juden nicht in Kirchen auftreten sollen und Synagogen nicht einfach "Gott und der Welt" zu öffnen seien. Dass die Stadt sich dem Druck der Religiösen gebeugt hat, habe die "rote Linie der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen überschritten", klagt eine der betroffenen Künstlerinnen. "Damit fängt es an. Und dann schreiben sie uns vor, wie wir uns zu kleiden haben und wo wir hingehen dürfen!"
Mittwoch, 9. Februar 2011
Neo-Kreuzfahrer
"Die Menschen sagen, Ihr habt keine Verbindung zu diesem Land. Wir sind neue Eindringlinge, Neo-Kreuzfahrer. Wenn ich könnte, würde ich jeden von Euch in mein Büro einladen. Ihr würdet eine kleine Ausstellung von Antiquitäten der Antikenbehörde sehen. Vom Platz neben dem Tempel, der Westmauer, etwa aus der Zeit der jüdischen Könige, haben sie einen Siegelring gefunden, den Stempel eines jüdischen Beamten von vor 2.700 Jahren, mit seinem Namen in Hebräisch. Wisst Ihr, wie sein Name war? Netanyahu. Das ist mein Nachname. Mein Vorname, Benjamin, geht noch tausend Jahre weiter zurück, zu Benjamin, dem Sohn Jacobs, der mit seinen Brüdern diese Hügel durchstreifte.
Also haben wir eine gewisse Verbindung zu diesem Land, aber wir anerkennen, dass es andere gibt, die auch hier leben. Wir wollen Frieden mit ihnen, aber wir haben diese grundlegende tausendjährige Verbindung zu diesem Land. Teil der Kampagne gegen Israel ist der Versuch, nicht nur die moderne Geschichte zu verfälschen, sondern auch die alte. Es gab keinen jüdischen Tempel – habt Ihr das gehört? Dann wüsste ich gern, wo die Tische gestanden haben, die Jesus umstiess. In Tibet? Es ist der Versuch, die Geschichte neu zu schreiben, alte wie neue, und dem jüdischen Volk ihre Verbindung zum Heimatland ihrer Väter zu nehmen. Deshalb begrüsse ich die Tatsache, dass Ihr hier seid, in Israel, in Jerusalem – und vielleicht das nächste Mal in meinem Büro. Ihr werdet nicht verschont."
Premier Benjamin Netanjahu auf einer Konferenz der "Europäischen Freunde Israels" (7. Februar)
Kein Unterschied
"The Middle East is a small place. A European tourist may not see the difference between Cairo and Bethlehem."
Sagte ein Bethlehemer Verkäufers gegenüber Haaretz (8. Februar). Hintergrund: Die steigende Zahl von Touristen, die wegen der Unruhen in Ägypten nach Palästina reisen.
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