Mittwoch, 20. Oktober 2010

Symbolisch


Er gilt als Zeichen des Friedens, aber um seine Früchte wird seit Beginn der Ernte vor zwei Wochen ähnlich aggressiv gestritten wie ums ganze Land: Die diesjährige Olivenernte ist nach israelischen Zeitungsberichten die gewalttätigste seit Jahren. Da werden in nächtlichen Aktionen Bäume abgeholzt, vergiftet oder abgefackelt – und mit ihnen die Existenzgrundlage vieler Bauern. Über 500 Bäume in palästinensischem Besitz und 100 jüdische Bäume sind den Vandalenakten bislang zum Opfer gefallen, sagen israelische Medien. Glaubt man den palästinensischen Medien, geht es um über 3.500 Bäume. Dabei wäre 2010 eines der besten Erntejahre der letzten Zeit.

Montag, 18. Oktober 2010


Abenteuer Palästina

Es ist vor allem die unglaubliche Gastfreundschaft, die unsere Wochenendtour durch die Palästinensergebiete um Nablis und Jenin prägt. Es ist beinahe unmöglich, unser Frühstück auf dem Markt einzukaufen. Die Bananen sind ein Geschenk für uns, die Kiwi und die Khaki und auch das Brot. Und überall die gleiche stolze Frage, wie es uns in Palästina gefällt. Was wir über die Palästinenser denken. Oft verbunden mit dem Wunsch, wir mögen doch zuhause darüber berichten. Wo immer wir an einem Marktstand stehenbleiben, sammeln sich ein paar Männer, um uns in ihrem Land Willkommen zu heissen und mit uns ins Gespräch zu kommen. Häufig sehr gestenreich, denn unsere Arabischkenntnisse und ihre Englischkenntnisse reichen nicht immer aus.


Ein Kleinwarenhändler in Nablis lässt seinen Laden Laden sein, um uns "seine" Moschee zu zeigen. Ein Arbeiter in der kleinen griechischen Kirche in Burqin unterbricht für uns seine Ausgrabungen, um uns – als ersten Aussenstehenden – seinen Fund des Vortrags zu zeigen: Das Grab eines Bischofs, vermutlich aus dem 16. Jahrhundert. Begeisternd und begeistert erklärt er uns die Geschichte der Kirche, zeigt uns die alte Zisternenanlage, in der die Mönche in Zeiten der Verfolgung Messen feierten. In der Zwischenzeit trifft der Professor ein, der die Altersbestimmung des Grabes vornehmen soll. Weil unsere nächste Station "auf seinem Weg liegt", nimmt er uns mit. Nicht ohne eigens für uns einen kleinen Umweg zu fahren und uns das Flüchtlingscamp und die Kampfzone von 2002 zu zeigen. Aus beinahe jedem Kontakt ergibt sich ein interessantes Gespräch, und die Zeit vergeht so schnell, dass wir uns am Abend wirklich beeilen müssen, um überhaupt noch eine Rückfahrt nach Qalandia zu bekommen.

Männerwelten


Meine Begleiter wollen ins Hamam. Männerbadezeit. Als einzige Frau setze ich mich in den Vorraum des Bads und warte auf die zwei. Café, Treffpunkt, Friesiersalon - in dem kleinen, gemütlichen Raum herrscht ein reges Kommen und Gehen, und die Atmosphäre ist äusserst entspannt. Hier wird getratscht, Wasserpfeife geraucht, beim Rausgehen mit einem langen Blick in den Spiegel ein letztes Mal die Gelfrisur gecheckt. Ins Handtuch gewickelt erholt Mann sich von der Schwitzkur im Dampfbad, streckt sich zum Schlafen auf die Kissen. Dann und wann wird ein Gebetsteppich inmitten der kleinen Tische ausgerollt. Von meiner Anwesenheit lässt sich ganz offensichtlich niemand stören.

Samstag, 16. Oktober 2010

Sorgenfrei


Gibt es ein sorgenfreies Paradies? Und warum ist das Leben so voller Probleme? Diese Fragen, die manch einem in dieser instabilen Region mehrmals täglich durch den Kopf gehen mögen, springen uns auf der Broschüre ins Auge, die uns zwei tadellos gekleidete Jünglinge in die Hände drücken. Die Lösung aller Probleme, glaubt man besagtem Heftli, ist ganz nahe. Genau genommen drei Seiten weiter. Man muss nur den Innenteil mit Horrormeldungen und entsprechend anschaulichen Bildern von verhungernden Kindern, roher Gewalt und Naturkatastrophen überblättern … Lest die Bibel (natürlich so, wie der Urheber der Broschüre sie versteht), und das sorgenfreie Paradies ist Euch sicher! Eine verlockende Botschaft inmitten dieser Krisenregion. Doch gerade missionierende Gruppen wie diese destabilisieren den Nahen Osten noch mehr als eh schon.